Mit dem ersten Modul des Impact Programms 2026 setzte tranSektoris den Fokus auf Künstliche Intelligenz in der Gesundheitsversorgung. Zwei Tage lang diskutierten die Teilnehmenden in einer Webkonferenz die Rolle von KI im Krankenhausalltag. Schnell wurde klar, dass Gesundheitsversorgung 2035 ohne KI kaum mehr denkbar ist, ähnlich selbstverständlich wie Hygiene und Händewaschen. Im Zentrum stand die Frage, wie KI-basierte Produktivitätssteigerungen zur Voraussetzung für eine zukunftsfähige Versorgung werden.

 

Ohne Produktivitätsteigerung keine Zukunft: KI in der Gesundheitsversorgung

Der Auftakt des Moduls begann mit Begrüßung und Kennenlernen der Teilnehmenden. Moderiert wurde das Modul von Dr. Renate Müller, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von tranSektoris, gemeinsam mit Max Schröfelbauer, Associate Partner bei der KI- und Daten-Beratung Alexander Thamm. In der Einführung wurde deutlich gemacht, dass KI nicht als isolierte Technologie, sondern als integraler Bestandteil von Versorgungsstrategien verstanden werden muss. Damit war der Rahmen für einen offenen, sektorenübergreifenden Austausch gesetzt.

 

„Gesundheitsversorgung 2035: Nicht ohne Künstliche Intelligenz“

oben rechts: Jens Schneider | Gründer & Vorstand - DG-KIM e.v.; Geschäftsführer - TeleSAN GmbH

 

Den ersten Impuls gab Jens Schneider, Gründer und Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Künstliche Intelligenz in der Medizin e.V. sowie Geschäftsführer der TeleSAN GmbH. Er zeigte auf, dass die ärztliche Arbeitsproduktivität seit Jahren stagniert, während gleichzeitig eine Steigerung von 20 bis 50 Prozent in der Patientenbehandlung notwendig wäre. Vor dem Hintergrund des Ärztemangels wurde KI als vielseitiges „Schweizer Messer für die Medizin“ beschrieben. Telemedizin und KI-gestützte Tools wurden als realistischer Weg diskutiert, um Versorgung auch in demografisch besonders betroffenen Regionen sicherzustellen.

 

Menschen entlasten, Wirkung entfalten: KI als Teil des Arbeitsalltags
In den Diskussionen wurde betont, dass technologische Innovation kein Selbstzweck ist. Ziel ist die spürbare Entlastung von Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitenden. Da KI direkt in Arbeitsprozesse eingreift, sind Akzeptanz, Transparenz und Befähigung entscheidend. Erfahrungen zeigten, dass Anwendungsraten ohne kontinuierliche Begleitung schnell sinken. Als erfolgreich wurden niedrigschwellige Erklärformate und zusätzliche Unterstützung beschrieben, etwa durch Werkstudierende, die Patientinnen und Patienten beim Umgang mit dem Digitalen Gesundheitslotsen als KI-basiertem Triage-Tool unterstützen.

 

Zwischen Versorgungspraxis und Gesundheitspolitik: Perspektiven aus dem Arbeitsalltag
Alina Arkenberg von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und Frederik Haas von Siemens Healthineers Deutschland gaben Einblicke in ihre Arbeitsfelder. Deutlich wurde der hohe zeitliche Aufwand gesundheitspolitischer Arbeit und die Bedeutung klarer Priorisierung. Als zentraler Erfolgsfaktor wurde eine strategische Bündelung von Perspektiven aus Politik, Verbänden, Industrie und Patientenvertretung benannt.

 

Einblick in die nächsten Module: Case Studies als gemeinsame Lernbasis
Im weiteren Verlauf des Tages wurden Fallbeispiele vorgestellt, die in den kommenden Modulen vertieft bearbeitet werden. Olivia Rößner von der Schön Klinik Gruppe beleuchtete den Klinikalltag und das Well-Being von Mitarbeitenden. Susanne Goldbach von Empowered Patients thematisierte am Beispiel Inkontinenz die Reduktion von Fehlberatungen und Fehlverordnungen. Stefan Krauß von der AOK Bayern stellte das Entlassmanagement mit zielgerichteter Hilfsmittelversorgung vor, das als Case Study für das nächste Modul ausgewählt wurde und sich auf die Indikation Rollstuhl bei Querschnittslähmung fokussiert.

 

Patientensteuerung neu gedacht: Der digitale Gesundheitslotse als Beispiel


Der zweite Programmtag startete mit einem Impuls von Susann Homann zur KI-gestützten Patientensteuerung. Am Beispiel des Digitalen Gesundheitslotsen, der auf der Software SMASS (Structured Medical Assessment System) basiert, wurde diskutiert, wie Orientierung im System verbessert und Versorgung gezielter gesteuert werden kann. Deutlich wurde, dass Einzeltools nicht ausreichen und KI nur dann wirksam ist, wenn sie in eine übergreifende Strategie von Leistungserbringern und Krankenkassen eingebettet wird.

 

Zusammengefasst und Vorgestellt
In der abschließenden Reflexion wurden die zentralen Erkenntnisse zusammengeführt. Hervorgehoben wurde die Bedeutung von Change-Prozessen, die sowohl top-down als auch bottom-up getragen werden müssen. Das Modul machte deutlich, dass KI kein Zukunftsthema mehr ist, sondern schon heute Voraussetzung für eine gute Gesundheitsversorgung ist. Am 19. und 20. März 2026 wird das Impact Programm bei der AOK Nordost in Berlin fortgesetzt, mit dem Fokus auf Krankenkassen und der Frage, ob KI und Mensch ein echtes „Dream Team“ sein können.